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OK | Extra Kino - Art goes Cinema

Pressemitteilung vom: 7. Februar 2013

OK | EXTRA KINO
Art goes Cinema

Presseinformation vom: 07.02.2013
Datum: 07.02.2013 - 28.04.2013
Eröffnung: 07.02.2013 (All day)

Unter dem Titel EXTRA KINO startet das OK in Kooperation mit dem Moviemento und dem Crossing Europe Filmfestival ein engagiertes Programm, das die schmal gewordene Grenze zwischen Medienkunst, Installation und Kinoscreening auslotet.
Die Filme werden nicht nur in einer klassischen Ausstellung sondern in einem eigenen Kunstkinosaal gezeigt, in einem EXRTRA KINO eben, das in die Programmschiene des Moviemento integriert ist.

Der slowenische Künstler Tobias Putrih hat bei der Biennale in Sao Paulo einen eigenen Karton-Kinosaal gebaut, der ebenso Skulptur wie Vorführraum ist. Für das EXTRA KINO hat er diese Installation ortsspezifisch adaptiert und wieder aufgebaut. Gezeigt wird ein ausgewähltes Kunst-Film-Programm von KünstlerInnen, die sich sowohl als Filmschaffende im Kinokontext als auch als AusstellungskünstlerInnen einen Namen gemacht haben. Es beginnt mit Johan Grimonprez (BE), führt über Corinna Schnitt (DE), Wilhelm Sasnal (PL), Ming Wong (SG) und endet mit Omer Fasts (IL/DE) Arbeit für die documenta, die das OK koproduziert hat. Parallel dazu werden von denselben KünstlerInnen Projektionen im Ausstellungsraum präsentiert und durch eine umfangreiche Einzelausstellung des österreichischen Künstler Thomas Draschan ergänzt, der filmische Techniken in Bilder ‚übersetzt’.

Das inhaltliche Spektrum reicht von spannungsreichen Geschichtskonstruktionen, Experimenten mit dem Medium Film, der Auseinandersetzung mit der Filmgeschichte, über verquere Alltagsphänomene, Musik, Youtube, bis zur Untersuchung von Geschlechtsidentität und Sprache. Gemeinsam mit Christine Dollhofer (Festivalleiterin Crossing Europe) und Karin Bruns (Medientheorien, Kunstuniversität Linz) wurden KünstlerInnen im Crossover zwischen Film und Bildender Kunst ausgewählt, deren Arbeiten eine hohe filmische Qualität ausweisen, der Narration verpflichtet sind, aber durchaus gebroche Formen wählen. Gezeigt wird ein relativ neues Werk, das in Österreich noch nicht so präsent war.

Die verschiedenen Erscheinungsformen der Medienkunst und der Crossover zwischen den Kunstgenres ist seit den 1990er Jahren ein zentrales Anliegen des OK. Als Zentrum für Gegenwartskunst sieht es sich als Scout für zukunftsweisende Tendenzen im Kunstfeld. Wie zum Beispiel das eben gestartete Kunsfilm-Filmkunst Festival „Kino der Kunst“ in München zeigt, sind wir mit dem Extra Kino am Puls der Zeit.

Zahlreiche MedienkünstlerInnen, wie Sam Taylor-Johanson, Steve McQueen oder die hier gezeigten Johan Grimonprez und Wilhelm Sasnal haben sich explizit dem Film zugewandt und Spielfilme für das Kino produziert. Aber auch viele andere Medienarbeiten, wie die Arbeiten von Omer Fast fordern mit ihren langen Spielzeiten und aufgrund ihrer Komplexität die sogenannte Black Box (einen verdunkelten, akustisch beruhigten Schwarzraum), die den räumlichen und technischen Komfort des Kinos in den Ausstellungsraum zu übertragen „versucht“.
Nachdem der konventionelle Kinoraum nicht zu übertreffen ist, wurde mit Tobias Putrih ein alternativer Kunst-Kinoraum entwickelt. Es ist eine Installation für ungewöhnliche Kunstfilme und Möglichkeit auch die Filmauskoppelungen von Videoinstallationen, wie jenen von Corinna Schnitt und Ming Wong einen besonderen Raum zu bieten. Während nun auf der einen Seite mit EXTRA KINO der Forderung der Medienkunst nach einem Kinoraum im Vorfeld des Festivals entsprochen wird, werden während Crossing Europe – Filmfestival Linz künstlerische Arbeiten gezeigt, die alle direkt oder indirekt mit dem Medium Film zu tun haben, jedoch den gewohnten Ort der Rezeption – das klassische Kino – verlassen. Im Experimentalfilm wird das unter dem Begriff des Expanded Cinema verstanden und ist auch die inhaltliche Leitlinie für die Präsentation von Ella Raidels (AT) Projektion im Außenraum und Wolfgang Georgsdorfs (DE/AT) Geruchskino.

Im Rahmen von EXTRA KINO werden außerdem als OK|Labor-Projekt Collagen des österreichischen Künstlers Thomas Draschan präsentiert. Nach vielen erfolgreichen Jahren im Filmbereich wendet sich Draschan vermehrt dem bildnerischen Bereich zu und schafft nun im Zweidimensionalen digital verdichtete Bildwelten.

Weiters werden die Übergangszonen zwischen Kino und Ausstellungshaus bespielt, so auch ab 28.2. der Lift mit einer Installation der Schweizer Künstlerin Renée Magaña.

Tobias Putrih

"The Skin of the Invisible" 2010/2013

Der slowenische Künstler Tobias Putrih stellt aus einfachen Materialien raumgreifende Strukturen her, die sich ambivalent zwischen Architektur, Skulptur und Display bewegen. Dabei werden wie bei dem für das EXTRA KINO adaptierten Screening Room "The Skin of the Invisible" 2010/2013 historische Bezüge zur Moderne aufgenommen. Das Projekt ist für die Biennale Sao Paolo entstanden. Putrih hat sich dabei mit dem in Brasilien prägenden Architekten Oskar Niemeyer beschäftigt und gleichzeitig einen einzigartigen Kino-Erlebnis-Raum geschaffen.

Tobias Putrih (*1972, Kranj, Slowenien), lebt in Cambridge, USA. 2007 vertrat er Slowenien auf der 52. Biennale in Venedig.

EXTRA KINO Programm im Überblick:

7.-24.2. Johan Grimonprez
Film: Double Take, 2009 (80 Min)
Installation a WeTube-o-theque, 2010-today
28.2.-17.3. Corinna Schnitt
Kurzfilmprogramm: Von einer Welt (About a world),
Installation: Once upon a time (mit Ton) als Loop, 2005
21.-31.3. Wilhelm Sasnal
Kurzfilmprogramm: Short Films,
Installation: Brazil, Super 8 mm, 2005
4.-19.4. Ming Wong
Filmprogramm: Repeat After Me… / Sprich mir nach…,
Videoinstallation: Kontakthope (2010) 22 Min, 2-Kanal
23.-28.4. Omer Fast
Film: Continuity, 2012

Johan Grimonprez

Double Take

Der Regisseur Johan Grimonprez stellt Alfred Hitchcock als paranoiden Geschichtsprofessor dar, der in der Zeit des Kalten Krieges unwissentlich in ein doppelbödiges Verwirrspiel verwickelt wird.
Der Meister sagt nur falsche Sachen zum falschen Zeitpunkt, während sich Politiker beider Seiten vor laufender Kamera verzweifelt darum bemühen, das Richtige zu sagen. Double Take setzt sich zum Ziel, anhand merkwürdiger Paare und doppelbödiger Verhandlungen zu zeigen, wie „Angst als Massenware“ durch globale Politik erst möglich wird. Während das Fernsehen das Kino überrollt und die Auseinandersetzung zwischen Chruschtschow und Nixon andauert, beginnt still und leise die Sexualpolitik, und Alfred selbst taucht im Fernsehen auf, in einer weltmännischen Rolle, in der er Hausfrauen mit Markenprodukten ködert, denen sie nicht widerstehen können.

BE/DE/NL, 2009, DigiBeta, 80 Minuten;
Autor/Regie: Johan Grimonprez; Story: Tom McCarthy; Schnitt: Dieter Diependaele, Tyler Hubby; Musik: Christian Halten; Produktion: ZAP-O-MATIK, Nikovantastic Film, Volya Films u.a. mit dem ZDF in Zusammenarbeit mit ARTE; Produzentin: Emmy Oost; Koproduzenten: Hanneke van der Tas, Nicole Gerhards, Denis Vaslin; Redaktion: Doris Hepp

Parallel zum Film präsentiert das OK die 2-Kanal-Installation a WeTube-o-theque, eine interaktive Geschichte der Fernsteuerung.

Johan Grimonprez, Medienkünstler und Filmemacher, Gastprofessur an der School of Visual Arts in New York, lebt und arbeitet in Brüssel. www.johangrimonprez.com/

Corinna Schnitt

Von einer Welt (About a world)

Die mehrfach ausgezeichnete Künstlerin Corinna Schnitt präsentiert im OK ein Kurzfilmprogramm. „Den Schwerpunkt ihrer künstlerischen Arbeiten bilden die Untiefen des Alltagslebens und die kleinbürgerlichen bis emanzipierten Figuren, deren Selbstentwürfe sich in ritualisierten Handlungen niederschlagen. Corinna Schnitt setzt sich vor allem mit dem oberflächlich Allgegenwärtigen auseinander; wir sehen Vororte, Wohnsiedlungen, Familien- und Urlaubsfotos, Spielplätze, Verkehrsinseln oder Möbelhäuser, in denen sich die diversen Akteure bewegen. Diese Orte und menschlichen Beziehungen werden so inszeniert, dass sie sich selbst und unserer Wahrnehmung entfremden. Das Dokumentarische dieser Inszenierungen kippt dabei ins Unglaubwürdige, das Alltäglich/Gewohnte ins Unglaubliche.“ Heike Klippel

Filmprogramm:
Das schlafende Mädchen, (8 min), 2001,
Hänschen klein (7 min), 2009,
Living a Beautiful Life (13 min), 2004,
Von einer Welt (10 min), 2008,
Tee trinken (15 min), 2012.
Videoinstallation: Once upon a time, 2005 (mit ton) als Loop

Corinna Schnitt studierte Bildende Kunst in Offenbach und Düsseldorf und ist seit 2009 Professorin für Film/Video an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig.

Wilhelm Sasnal

Short Films

Der polnische Künstler Wilhelm Sasnal ist einer der Stars am internationalen Kunsthimmel. Parallel zu seiner Malerei hat er ein reiches filmisches Oeuvre entwickelt, das vom Experimentalfilm (in 8 oder 16 mm gedreht, oder mit Found Footage Material erstellt) bis zum Spielfilm reicht. Musik ist eine wichtige Referenz. Zuletzt hat er gemeinsam mit Anka Sasnal den Hauptpreis des Crossing Europe Filmfestival Linz für Z DALEKA WIDOK JEST PIEKNY (IT LOOKS PRETTY FROM A DISTANCE bekommen.
"For me painting is an introverted activity, which demands my complete attention. When I’m filming, I notice that I am much more open to the world and that I get more back. I need both media." (Wilhelm Sasnal)

Filmprogramm:
Europa, 16 mm, 2007
Touch me, Super 8 mm, 2002;
Several Dozen Seconds of a Badly Developed Film, 16 mm, 1997;
Let me tell you a film, 16 mm, 2007;
Untitled (Elvis), 16 mm, 2007;
6Mojave, 16 mm, 2006;
Kodachrome, Super 8 mm, 2006;
The Other Church, 16 mm, 2008;
Kacper 16 mm, 2010;
Installation: Brazil, Super 8 mm, 2005

Wilhelm Sasnal (geb. 1972 in Polen) ist vor allem für seine Malerei bekannt, deren Vorlagen er im Alltagsleben, in den Massenmedien oder in historischen Bildern findet. Die Motive reichen von Porträts seiner Angehörigen und Freunde bis zu Ikonen der Popkultur, vom aktuellen Nachrichten-Foto bis hin zu beklemmenden Kapiteln der polnischen Geschichte.

Ming Wong

Repeat After Me… / Sprich mir nach…

Ausgehend vom Medium Film untersucht Ming Wong, geprägt von seiner Herkunft aus dem gemischt-ethnischen Staat Singapur, Sprache und Identität, Klischees und Stereotypen zu Rasse und Geschlecht. Das Ergebnis sind komplexe Mehrkanal-Videoinstallationen, in denen Ming Wong oft selbst sämtliche Rollen in Filmklassikern aus Asien, Europa und den USA einnimmt. Es entstehen fast absurde Situationen, die trotz der ernsten Thematik und historischen Bedeutung der Referenzfilme voller Humor stecken und die Sinne öffnen (wenn Ming Wong „Deutsch lernt“ und dabei im giftgrünen Kleid der Petra von Kant zusammenbricht und dabei ausruft: "Ich bin total im Arsch!")

Kurzfilmprogramm / single Channel:
Ham&cheesomelet (2001) 1 Min
Lerne Deutsch mit Petra Von Kant (2007) 10 Min
Angst Essen (2008) 27 Min
Devo partire. Domani (2010) 12 +
Making Chinatown (2012) 4 +
Videoinstallation: Kontakthope (2010) 22 Min

Der Videokünstler Ming Wong, (geb. 1971 in Singapur), lebt und arbeitet nach seinem Studium in London in Berlin. Er hat zahlreiche internationale Ausstellungen und Festivalbeteiligungen; u.a. bekam er eine Special Mention für seinen Pavillon auf der 53. Biennale von Venedig 2009. www.mingwong.org

Omer Fast

Continuity

Während des Crossing Europe – Filmfestival Linz wird ein Höhepunkt die Präsentation des diesjährigen OK | Artist in Residence, des in Israel geborenen und in Berlin lebenden Film- und Videokünstlers Omer Fast (*1972). Bekannt wurde Fast, der bereits zur Biennale in Venedig (2011) eingeladen wurde und im renommierten Whitney Museum of American Art New York (2010) ausgestellt hat, durch seine eindrücklichen Einkanal- und Mehrfachprojektionen. in denen er die linearer Narration bricht und irritierende filmische Parabeln schafft. Neben früheren Arbeiten wird auch sein aktueller Film CONTINUITY (2012) laufen, der seine Premiere bei der diesjährigen Documenta in Kassel feierte und vom OK mitproduziert wurde. CONTINUITY hat phasenweise einen geisterhaften Touch, ist der erste Film von Omer Fast, der in Deutschland und mit deutschen Schauspielern gedreht wurde und beschäftigt sich mit einer von seinen Eltern inszenierten Heimkehr eines verstorbenen jungen Soldaten aus Afghanistan.
Omer Fast, (geb.1972 in Jerusalem/Israel), lebt seit 2001 in Berlin
www.gbagency.fr/en/42/Omer-Fast

7.2. -28.4.

OK | Labor Marktplatz
Thomas Draschan, „Atlantis“

Der österreichische Künstler Thomas Draschan schöpft aus einem riesigen Fundus aus Bildern, Fotos, Postkarten und 16-Millimeter-Filmen und stellt in akribischer Kleinarbeit Found Footage Filme und Collagen zusammen. Nach vielen erfolgreichen Jahren im Filmbereich wendet sich Draschan vermehrt dem Bildnerischen Bereich zu und schafft nun im Zweidimensionalen digital verdichtete Bildwelten, indem er realistische Fragmente mit dem Imaginären des Kinos in atmosphärischen Sehnsuchtsbildern verbindet.

Thomas Draschan (geb. 1967 in Linz), lebt und arbeitet nach dem Studium bei Peter Kubelka und Ken Jacobs an der Städelschule und vielen Jahren in Frankfurt seit 2004 in Wien. Als Experimentalfilmer arbeitet Draschan bevorzugt mit „found footage“, aber auch Musikvideos, Dokumentarfilme und Collagen finden sich in seinem Werk. www.draschan.com

28.2. – 28.4.

OK | Labor Lift / Stiegenabgang Moviemento
Renée Magaña / NOMAD, “Abstract corporeal thoughts”

Die Arbeiten der Künstlerin Renée Magaña kreisen um Körperlichkeit, Vergänglichkeit und Tod und manifestieren sich malerisch in abstrahierten körperlichen Formen. Vom dunklen Grund lösen sich die hellen Körperfragmente ins Räumliche und spielen mit Wahrnehmung und Vorstellungsvermögen. Auf Initiative von NOMAD wurde die Künstlerin und Cineastin eingeladen, den Lift als Übergang vom Untergeschoss des Kinos zum darüber liegenden Ausstellungshaus mit Kunst-Kino zu einem räumlichen Bild zusammen zu führen.

Renée Magaña (geb. 1970 in Santa Monica /USA), lebt und arbeitet seit 1987 Bern /CH. 2003 Studienabschluss an der Hochschule der Künste Bern (HKB), 2008 Gründung & Leitung von OVRA Archivs. Sie kümmert sich um die professionelle Archivierung von Werken zeit-genössischer KünstlerInnen und organisiert regelmäßig projektorientierte Zusammen-schlüsse mit anderen Kunstschaffenden.
www.ovra-archives.com/Magana_Renee

NOMAD, ein Projekt des Schweizer Künstlers Alain Jenzer, ist eine Ausstellungsreihe für ortspezifische Kunst. Im Rahmen von NOMAD finden an wechselnden Orten temporäre Interventionen statt, die neue Perspektiven auf die bespielten Orte und die Arbeit der eingeladenen KünstlerInnen eröffnen. www.nomad-project.ch


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